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Kleider machen Leute...

19. Spirituelle Tankstelle am 17.02.2021 - Zoom-Meeting zum Thema "Einsatzjacke"

 

Die Pandemie lässt noch nicht locker - wir von der Tankstelle aber auch nicht!  In der 19. Spirituellen Tankstelle am 17.02.2021 ging es um ein elementares Accessoire der Notfallseelsorge: die Einsatzjacke. Aus 10 verschiedenen Regionen der Notfallseelsorge im Bereich der EKHN erreichten uns kurze Videoclips und Statements zur Bedeutung und zum Gebrauch dieses besonderen Kleidungsstücks. Kurze Lesungen poetischer Texte konstrastierten die Äusserungen zu den sehr bunten und vielgestaltigen Einsatzjacken - Notfallseelsorge in Diversität! Allen "MacherInnen" der unterschiedlichen Beiträge danken wir ganz herzlich für ihr Engagement für dieses "Gemeinschaftswerk" - und den 30 TeilnehmerInnen dieser Tankstelle danken wir für ihr Interesse!

Das Vorbereitungsteam

 

Zur Einführung in das Thema:

Die Einsatz-Jacke bzw. die Einsatz-Weste war und  ist schon ein illustres Textil!

 

Dieses Kleidungsstück steht für die Wahrnehmbarkeit der NFS- bzw. PSNV-Aktivitäten in der Öffentlichkeit, es schützt uns genauso gegen Witterungsunbilden wie gegen innere und äußere Rollen-Konfusion, Reflex-Streifen warnen andere VerkehrsteilnehmerInnen bei außerhäuslichen Einsätzen, die Rückenaufschrift definiert die Zugehörigkeit zu einem Fachdienst und legitimiert den Aufenthalt in abgesperrten Bereichen. Gelegentlich gehört sie zum Initiations-Ritus der Aufnahme in den aktiven Dienst, sie ist in Vollausstattung vergleichsweise teuer und kostbar und wird trotzdem nicht gerne zwischen Aktiven getauscht… Eine getragene Jacke birgt Geschichten und Geschichte, gelegentlich war sie schon Anlass zu Konflikten und Befindlichkeitsstörungen. Ihre (sehr unterschiedliche) Gestaltung und Farbausführung spiegelt die förderale Struktur unserer Gesellschaft genauso wieder wie den individuellen Gestaltungsanspruch auf lokaler Ebene. Alles in allem ist eine Dienst-Jacke oder -Weste einerseits nur ein mehr oder weniger aufwendig gestaltetes Stück Stoff, aber andererseits nicht nur…

 

In der 19. Spirituellen Tankstelle setzen wir einige Nutzerstimmen zu ihren jeweiligen Einsatzjacken in ein reizvolles Verhältnis zu poetischen verlesenen Texten... Lasst Euch überraschen, Ihr seid herzlich dazu eingeladen.

 

Weiter unten findet Ihr das in der Tankstelle gezeigte Video:

 

 

Kurzansprache von Heiko Ruff-Kapraun (Ev. Pfarrer für Notfallseelsorge im Odenwaldkreis sowie in in Darmstadt und Umgebung

 

Liebe Notfallseelsorgenden,

 

 

 

die Jacke ist in unserer Organisation ein großes Thema.

 

 

 

In ihr erinnern wir unsere ersten Einsätze. Ich habe mich an ihr festgehalten mit in der Kälte von Tod und Verzweiflung.  Zu der Einsatzjacke gehört eine  psycho-somatischer Aspekt. Ich bin mit ihr in körperlicher und seelischer Resonanz.

 

 

 

Wenn ich sie trage, ist das Leben anders fokussiert und auch die eigene Richtung - in Blicken und Schritten - anders bestimmt. Nach innen ist sie Schutz und Richtung: ich bin achtsam, ich bin behutsam, ich bin umsichtig -ingesamt auf Empfang geschaltet. Nach außen ist sie Schutz und Ausweis: andere nehmen mich in meiner Aufgabe wahr. Ich ziehe bestimmt Blicke und Aufmerksamkeiten an.

 

 

 

Kleidung ist wie eine zweite und wechselbare Haut. nach innen muss sie passen, ach außen muß sie stimmig sein. Maßgenau in Stoff und Form.  -

 

Übrigens: mein Vater war Schneider und betrieb eine Maßschneiderei. eben damit alles paßgenau war nach innen und außen. Nur meine Jeans mit Flicken und den üblichen Lebensspuren der 70iger Jahre passten nicht ins Muster. was ein Stress - mit der Maßschneiderei nach innen und außen.

 

 

 

Zur Jacke kann ich feststellen, sie steht mir in gelb nicht, das passt nicht zu meiner Haarfarbe und in violett sticht sie mit der Augenfarbe.

 

 

 

Dennoch ich trage sie, viel lieber die Jacke des Odenwälderteams in rot-blau. Die steht mir.

 

 

 

Warum hängen so viele Notfallseelsorgenden an ihrer Jacke? Ich glaube sie ist ein Stück "wir selbst". Sie ist ein Stück Seele und eine Stück auch unser Leib, weil wir durch sie eine Richtung haben - hin und zu den Menschen, die danieder liegen. Und auch die Richtung zurück in den Alltag

 

 

 

Also Kleidung ist sie nicht. Sie ist zweite Haut.

 

 

 

In der Bibel lohnt es sich noch nachzuschlagen: Darum sage ich euch:

 

Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet ... Ist nicht der Leib mehr denn die Kleidung?  Mt. 6

 

 

 

Mein Leib ist mehr als die Kleidung.  Wir brauchen einander.

 

Heiko Ruff-Kapraun

 

 

 

 

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